Rezension 6, April  2017

Höllenlärm am frühen Morgen, Mauern brechen ein, mit Krachen und Poltern beginnt die angedrohte Sanierung in der Altersresidenz Abendhain, die sich nach und nach als mafiöses Unterfangen entpuppt. Alles wird ruiniert, warmes Essen gibt es nicht mehr und Besitztümer verschwinden. Siieri und Irma, zwei der drei mehr als 90-jährigen Freundinnen, flüchten aus diesem Alptraum in Stadtbesichtigungen und begegnen interessanten und fröhlichen Menschen. Dabei fällt Siieri eine Übergangslösung für das Wohndesaster ein: eine zwischenzeitliche WG. Es gelingt, letztendlich sind sie zu fünft. Das ungewohnte Zusammenleben mit Überwindung von Problemsituationen stärkt die Freundschaft und die Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre Wohnungen im Abendhain. Skurrilität und Buntheit sorgen für ein nachdenkliches Lesevergnügen.

Die finnische Autorin beschäftigte sich als Journalistin mit dem staatlichen Gesundheitssystem in ihrer Heimat. Im Band 2 der dreiteiligen »Abendhain«-Reihe schildert sie satirisch-humorvoll die Probleme der Sanierung des Alterssitzes der drei Freundinnen. Mit rasantem Tempo und Überzeichnung absurder Situationen sowie wertschätzender Skizzierung der unterschiedlichen Charaktere und Bewältigungsstrategien transportiert sie im Hintergrund die Kernaussage, dass Widerstand gegen Willkür wesentlicher Bestandteil für ein freies und gelungenes Leben ist.

Minna, Lindgren: Whisky für drei alte Damen oder Wer geht denn hier am Stock? Roman. Aus dem Finnnischen von Niina und Jan Costin Wagner. 350 Seiten, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2016,  EUR 15,50

Ulrike Reschitzegger

Ulrike Reschitzegger

Verein KRIBIBI

Obfrau

Share This